Sonntag, 13. November 2016

Live aus dem Erdbebengebiet

Wir haben auf unserem sicheren Hügel über Wellington heute Nacht noch eineinhalb Stunden im Internet und Radio den Stand verfolgt und dann doch noch zwei Stunden geschlafen. Ein oder zweimal hat es für uns spürbar noch leicht gewackelt. 

Schon in der Nacht haben wir beobachtet, dass wg der Tsunami-Warnung alle Schiffe abgelegt hatten und in der Wellingtoner Bucht der Dinge harren, die da kommen. Die Tsunami-Warnung ist jetzt etwas zurückgestuft, aber man soll sich immer noch fernhalten von Stränden und der direkten Küste. Es gibt im Minutentakt Nachbeben im ganzen Land, aber die spüren wir zum Glück nicht ... die stärkeren sind auf der Südinsel. 

Die Schiffe warten immer noch auf Entwarnung in der Bucht. Der Fähr-, Zug- und Busverkehr ist eingestellt. 

Leider ist ziemlich viel passiert durch das Erdbeben. 2 Tote und mehrere Verletzte, auf der Südinsel sehr viel kaputt. Straßen aufgerissen oder durch Erdrutsche versperrt. Viele Fotos im Internet von innen und außen verwüsteten Häusern. Hier in Wellington sind die Schäden nicht so stark, aber es sind Glasscheiben zu Bruch gegangen, einige Häuser evakuiert wegen struktureller Schäden. Dummerweise ist wohl auch der Terminal unserer Fähre zerstört worden. Aber in Kürze noch näher ans Beben zu fahren, ist eh nicht wirklich sinnvoll, oder? Wir wissen noch nie wie, aber sicher werden wir unsere Pläne für die nächsten Tage umstellen müssen. Macht nix, es gibt genug zu entdecken überall ... und das ist Neuseeland live ...

Im Moment warten wir noch auf unserem Berg. Seit dem wilden Erdbeben-Gewackel lässt sich unsere Gasflasche nicht mehr schließen. Auf der Tsunami-Flucht hatten wir das erstmal ignoriert. Jetzt warten wir auf lieber auf Info von unseren Vermietern, was wir am besten tun. Und die Aussicht hier oben ist super ... jetzt gibt's erstmal Frühstück. 

Wer sehr wissbegierig ist, hier der Link zu den NZ-News: 

Unruhige Nacht in Wellington - Erdbeben mit Tsunami-Warnung

Wir sind in Wellington, sollten eigentlich gemütlich im Bett unseres Campers liegen, es ist 4 Uhr morgens. Auf der Südinsel hat es mehrere Erdbeben gegeben rund um Kaikoura. Auch in der Gegend  von Wellington hat es um Mitternacht gebebt, allerdings nur leicht. Wir waren wach geworden, hatten es (als unerfahrene Ausländer) für starke Windböen gehalten, die unseren Camper geschüttelt hatten. 

Um kurz vor 2 sind wir dann geweckt worden von anderen Campern, die mit uns am Wellingtoner Hafen standen. Es gäbe eine Tsunami-Warnung, wir müssten hier weg, in höheres Gebiet. Wir sind schnell auf einen Aussichtspunkt oberhalb von Wellington gefahren. 


Uns geht's gut. Wir sitzen jetzt hier, hören Radio und verfolgen Internet. Die Fähre für morgen ist gestrichen ... wir halten Euch auf dem Laufenden ... erstmal sind save und sicher!

Regen-Kultur in New Plymouth

Über den 'Forgotten World Highway' fahren wir Richtung Westen nach New Plymouth. Er hat seinen Namen verdient ...


Eigentlich war geplant den Vulkan Taranaki zu bewundern und im Egmont National Park zu wandern, aber es stürmt mit 7 Beaufort und regnet. Auf dem Berg ist es zu gefährlich ... und sowieso viel zu ungemütlich. Endlich eine gute Ausrede, einen Waffen- und Geräte-Tag* einzulegen ... mit bester Aussicht natürlich. 



New Plymouth und die Region Taranaki sind wohlhabend. 1959 wurde Öl und Gas entdeckt und seitdem gefördert. Wir profitieren davon, denn in der 60tausend-Einwohner-Stadt gibt es ein tolles Museum zur Entstehung, Natur und Geschichte der Region und die Govett-Brewster Art Gallery ... letzteres beherbergt zeitgenössische neuseeländische Kunst und hat eine auch bei Regen schillernde Fassade. 


Wir mögen besonders die kinetische Kunst von Len Lye. 



Und noch mehr die alten Maori-Schnitzereien und Kunstwerke im Mueseum nebenan. 



Toller Schlecht-Wetter-Tag. Nur der Blick auf den Taranaki lässt zu wünschen übrig. 


Aber wir kaufen uns einfach eine Postkarte ... ;-)






* Geologen-Fachsprache für Faulenzen und Rumtüddeln


Samstag, 12. November 2016

Mordor

Wer das Auenland besucht, muss natürlich auch einen Blick auf Mordor riskieren ... aber Vorsicht! ... nicht zu nahe kommen.


In seinem nicht-cineastischen Privatleben ist dies der Vulkan Mount Ngauruhoe, seines Zeichens der dritthöchste Berg der Nord-Insel. Mit seinem großen Bruder  Ruapehu und dem kleinen Bruder Tongariro ist er Teil des zentralen Vulkan-Gebiets. Ihr erinnert Euch? Der Tongario hatte die Buhlerei um die schöne Pihanga gewonnen in dessen Konsequenz der Whanganui entstanden ist.






Freitag, 11. November 2016

Kanu-Abenteuer auf dem Whanganui

Der Legende nach entstand der Whanganui als zwei mächtige Vulkane, der Mount Taranaki und der Mount Tongariro um die schöne Mount Pihanga kämpften. Mount Taranaki zog dabei den Kürzeren und musste sich vom Zentrum in den Westen der Nordinsel zurück ziehen. Dabei hinterließ er eine tief zerklüftete Landschaft, den heutigen Whanganui National Park. Der Mount Tongariro schickte kühles Wasser, um die Wunden der Erde zu heilen und so entstand der Whanganui River, auf dem wir atemberaubende 2 Tage mit dem Kanu verbracht haben.

Schon die Anreise mit dem Kleinbus nebst Kanu-Anhänger ist abenteuerlich. Eineinhalb Stunden bergauf-bergab, davon ein Großteil Gravel-Road. Eine verwunschene Gegend, selten mal ein abgelegener Bauernhof, Schafe, sonst nichts ... eben ein National Park. Klar ist, wenn der Bus erstmal weg ist, dann gibt es keine Hilfe oder Alternative mehr, wir müssen mit dem Kanu an den vereinbarten Treffpunkt paddeln. Aber zum Glück sind wir nicht allein, es gibt neben unserem drei weitere Kanus und wir werden in der Sicherheitseinweisung angehalten, zusammen zu bleiben.

Das erste Mal mulmig wird uns schon am Anfang, die Stelle an der die Kanus zu Wasser gelassen werden, ist direkt in einer Stromschnelle ... sowas gibt's nicht auf der Alster ... niemand hatte vorher gesagt, dass wir ständig durch Stromschnellen paddeln müssen! Kurze Theorie-Einführung zum Befahren von Stromschnellen ... der Hinweis, dass Kentern auf dem Whanganui generell blöd sei, es könne Kilometer dauern, die man schwimmend an seinem Kanu hängt, bis ein Strand kommt, an dem man anlanden, das Boot und sich selber trocken legen kann. Da vorne um die Ecke ist direkt eine schwierige Stromschnelle (wie jetzt ... noch schlimmer als diese hier vor unseren Augen!?!) und dann: Good luck, have fun!

In der Um-die-Ecke-Stromschnelle legen wir erstmal eine 360Grad-Pirouette hin. Auch die folgenden Stromschnellen überstehen wir ohne zu kentern, wenn auch nahe am Herzinfarkt. Die Theorie scheint zu funktionieren, erste Entspannung und auch mal ein Blick in die Landschaft. Das Whanganui-Tal ist eine steile Klamm, rechts und links gehen senkrechte Felswände 100 m und mehr nach oben, die Hänge bewachsen mit Urwald. Atemberaubend ... aber auch keine Chance, dem Fluss zu entkommen.  Der nächste Ort mit Strassenzugang liegt 88km oder 3 Paddeltage entfernt.


Am ersten Tag paddeln wir zur John Coull Hut, das sind 37,5 km. Ziemlich viel, aber wir haben Glück: Durch Regen ist der Wasserstand hoch und damit die Strömung schnell. Es geht also flott voran, zum Ausgleich machen dafür die Stromschnellen ihrem Namen Ehre. Nach 2-3 Stunden haben wir den Dreh raus ... grob ...




Alle 2-3 Stunden kommt ein 'Campsite'; ein Platz mit Möglichkeit zum Anlegen, Mulchklo und Wasser (gesammeltes Regenwasser) 20-30m oberhalb des Flusses. Dort kann man pausieren oder im Zelt übernachten, wenn man dies nicht in der Hütte tun möchte. Der Whanganui ist unberechenbar, er kann innerhalb kürzester Zeit um viele Meter ansteigen und damit für Paddler lebensgefährlich werden, deshalb liegt alles Wichtige auf winzigen Plateaus 20-30m höher. Das Anlegen in der Strömung garantiert immer nasse Füße, manchmal auch mehr ... ;-)




Nach 6 Stunden kommen wir bei unserer Hütte an. 


Dort erwarten uns Shirley und Jessy, unsere Hut Wardens. Gerechnet hatten wir mit einem sonnengegerbten Ranger um die 30, statt dessen sitzen dort zwei Damen um die 60 mit einem Glas Rotwein in der Sonne und führen uns in die Hütte und die Spielregeln ein ... alle Schuhe mitsamt dem Matsch dran bleiben draußen!


Die beiden sind unfassbar sympathisch, das liegt nicht nur am Wein. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, was die beiden in diese nur per Jet-Boot erreichbare Einsamkeit führt. Die beiden kommen von der Südinsel und sind Farmerinnen und machen eine Woche kostenlosen Urlaub ohne ihre Männer. Wir lernen, dass die 100e von Berg- und Naturhütten in Neuseeland von Freiwilligen betrieben werden. Man braucht eine Grundausbildung als Ranger und kann sich auf einer Internet-Seite melden. Statt etwas zu zahlen, muss man nach dem Rechten sehen, Wanderer/Paddler einweisen, morgens per Funk den Wetterbericht abholen und mit Rat und Tat den Gästen zur Seite stehen. Toll! Die beiden haben einen Riesenspass von ihrem tollen Land zu erzählen und wir haben einen netten Abend!


Unser zweiter Paddeltag fängt weniger gut an, die einzige Verbindung in die Außenwelt ist das besagte Funkgerät. Das verkündet an diesem Morgen die Ergebnisse der US-Wahl und bereitet uns auf Regen vor. In der Wildnis muss man die Dinge so nehmen, wie sie kommen ... dafür sind wir jetzt schon Paddel-Erfahren und meistern die Stromschnellen des Tages mit Bravour ... mal abgesehen von einer Pirouette, weil wir versehentlich in einen Strudel fahren.

Am Nachmittag trennen wir uns von unserer Paddel-Gemeinschaft. Wir haben als einzige die Möglichkeit entdeckt, den dritten Tag durch eine Jet-Boot-Fahrt für die letzten 30 km zu ersetzen. Geschickt haben wir damit ein weiteres NZ-Must-Do eingebaut! Schwups-die-wubs wird unser Gepäck und das Kanu verladen und wir brausen mit 50 km/h über die Stromschnellen zum nächsten Ort mit Straße, wo wir schon erwartet werden, um in die Zivilisation und unserem Camper zurück gebracht zu werden.



Dienstag, 8. November 2016

Vorbereitung Whanganui Canoe Tour

Und schon wieder brechen wir zu einem neuen Abenteuer auf! Eine 2-tägige Kanu-Tour auf dem Whanganui River, mitten durch den gleichnamigen Nationalpark. Kein Strom, kein Handy-Empfang, kein neuer Post direkt live aus dem Kanu. Nur wir, das Kanu und die Stromschnellen ... und der Safety Beacon, mit dem wir angeblich Hilfe in Form eines Jet-Boots holen können, falls uns beim Kentern die Tonne mit den trockenen Unterhosen davonschwimmt ...



Also dann ... wünscht uns immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! Mehr erfahrt Ihr in drei Tagen!

Geysire, kochender Schlamm und heiße Quellen

Neuseeland ist ein Vulkangebiet. Nicht überall ist das auf den ersten Blick erkennbar, in der Gegend zwischen Rotorua und Taupo kann man es auf keinen Fall vergessen. Überall qualmt, dampft und zischt es. Die Natur hat dort ein riesiges Thermalgebiet geschaffen. Das alles ist so schön und eindrucksvoll, das lässt sich nicht in Worte fassen ... vielleicht in einen Foto-Post ... überzeugt Euch selber. Die Farben ... unglaublich, oder?














Und dann - nachdem man genug Schwefeldampf eingeatmet und vor lauter Begeisterung ganz erschöpft ist, entspannt man im Hot Pool aus reinem Vulkanwasser! Das ist ein Leben hier!