Montag, 7. November 2016

Zu Besuch bei Bilbo und Frodo Beutlin im Auenland

Auf den Besuch der Alexander Farm mit seinen 200.000 Schafen haben wir uns lange gefreut ... liegt doch inmitten der Farm das Auenland - die Neuseeländer sagen Hobbington -, wo Bilbo und Frodo Beutlin ihr zu Hause haben in den 'Herr der Ringe'- und 'Der Hobbit'-Verfilmungen von Peter Jackson.

Fühlen wir uns bei der Anreise noch leicht kindlich extra eine Schleife in unsere Reiseroute eingebaut zu haben, um die Heimat der Hobbits kennenzulernen, können wir Euch jetzt sagen: Das Auenland ist wunderschön und macht glücklich. Wir verstehen jetzt warum Bilbo, Frodo, Sam und die anderen sich jederzeit auf ihren Reisen danach gesehnt haben!

Aber fangen wir von vorne an. 1998, ein Jahr vor dem Start der Dreharbeiten zum 'Herrn der Ringe', fiel aus Dutzenden von Locations die Wahl auf die Schaffarm der Familie Alexander Russell als Platz für die Darstellung des Auenlands. Das war für die Familie und die benachbarte Stadt Matamata eine Art Sechser im Lotto. Jedenfalls wirkt es auf uns so ... alle scheinen so froh und stolz zu sein, den Hobbits ihre Heimat gegeben zu haben. Schon auf der Anfahrt beim Frühstücks-Stopp in einer kleinen Bäckerei werden wir gefragt, was uns denn in diesem Landstrich führt. Als unsere Antwort 'Hobbington' ist, erscheint ein frohes Grinsen auf dem Gesicht der Verkäuferin: "Ah, that's good! You will enjoy it!"

Auf das ehemalige Filmgelände kommt man nur im Rahmen einer 2-stündigen Führung. Joey, unser Maori-Führer muss ein Hobbit sein ... Körpergröße und Hautfarbe stimmen zwar nicht, aber so fröhlich, freundlich und begeistert ... wir sind uns einig, dass Joey ein Maori-Hobbit sein muss. Er führt uns durch das Gelände, erzählt Geschichten und Details aus den Drehs für die Filme ... und lacht ununterbrochen. Während er uns eine Foto-Pause gönnt, nutzt er die Zeit zu einer chinesischen Reisegruppe runterzurennen, um mal eben einen kleine Haka-Spezial-Vorführung auf dem Hobbit-Festplatz aufzuführen. Ihr erinnert Euch? Haka, das ist der Kriegstanz der Maori mit wilden Gesten und lautem Gebrüll. Alle Besucher sollen glücklich sein ...





    Wirklich beeindruckend ist die absolute Detailtreue, mit der die gesamte Location aufgebaut wurde. Das Auenland wurde ein ganzes Jahr vor den Dreharbeiten angelegt, damit alle Pflanzen und Gärten genug Zeit hatten zu wachsen und es nicht steril und angelegt aussieht. Selbst für Szenen, wo die Kamera nur für den Bruchteil einer Sekunde vorbeihuscht, wurde alles perfekt und echt angelegt. Dieser Zaun z.B. ... in Hobbington ist alles ordentlich-unordentlich. Damit das Holz alt aussieht (Hobbington ist älter als 100 Jahre) wurde es vorher gesandstrahlt und in Essig eingelegt. Die Flechten und das Moos darauf sind künstlich, d.h. irgendein Pappmaschee, Farbe, Kunststoff. Wisst ihr, wie viele Dutzende von Metern Zaun es gibt im Auenland und wieviele Kubikmeter in die Jahre gekommenes Holz?!? Unglaublich!


    Oder auf diesem Bild ... seht ihr den zweiten, kleineren Baum von links im Hintergrund über dem berühmten Haus von Bilbo und Frodo. Das ist eine Eiche, die so von Tolkien in seinen Romanen beschrieben wird. Dummerweise  wachsen auf der Alexander-Farm keine Eichen. Also wurde an anderer Stelle eine ausgegraben und hier wieder aufgestellt. Da man einen so großen Baum nicht wirklich umpflanzen kann, wurden die Blätter durch 200.000 künstliche Blätter aus Seide ersetzt. Was für ein Job 200.000 Blätter an eine große Eiche zu kleben!
    Zum Abschluss noch das wichtigste Foto für alle eingefleischten 'Herrn der Ringe'-Fans! Und wer weiß, wessen zu Hause auf dem zweiten Foto zu sehen ist?



    Wir verlassen das Auenland mit der Erkenntnis, dass es ziemlich viel Arbeit ist, gute Filme zu machen und dafür einen Oscar zu bekommen. Und nehmen im Herzen (mal wieder) die liebevolle Freundlichkeit der Hobbits ... äh, Neuseeländer mit auf unsere weitere Reise! 



    Sonntag, 6. November 2016

    Coromandel Nr. 2: Digging for Hot Water

    Studiert man die Reiseführer, gibt es zwei Must-Do's dort, die man auf einer Neuseeland-Reise nicht auslassen darf: Cathedral Cove und den Hot Water Beach auf der Coromandel Halbinsel. Wir sind etwas unentschlossen, ob und wie wir diese Spots aufnehmen sollen in unsere Route ... wenn der Reiseführer schon warnt, dass man eher früh morgens oder am späten Nachmittag kommen soll, damit es nicht zu voll ist.

    Dann entdecken wir, dass die Tour auch mit dem Fahrrad denkbar ist ... warum nicht, dass ist doch mal was anderes! Es sei auch gar nicht sooo bergig. Naja ... die Berge sind machbar, finden wir am Ende des Tages. Allerdings hätte der Reiseführer den Gegenwind durchaus erwähnen können.

    Also flugs am nächsten Morgen zwei Räder gemietet. Schon die Überfahrt mit der kleinen Fähre über den Whitianga Harbour ist spaßig. Hahei Beach ist einer der Top-Strandorte Neuseelands, wir stellen uns das irgendwie wie Sylt oder Kühlungsborn vor. Nichts von dem ... alles ziemlich beschaulich. Eine Bucht mit Ferienhäusern, die meisten eher bescheiden ... einige offensichtlich wohlhabend in die besseren Lagen gebaut. Zwei, drei Cafes, ein Strand-Krempel- und Souvenierladen ... that's it! Irgendwie schön ... irgendwie typisch Neuseeland.


    Wir strampeln hoch zum Ausgangspunkt des kurzen Spazierweges zur Cathedral Cove ... vielleicht hätten wir doch mit dem Camper fahren sollen, wie all die anderen, die an uns vorbeiziehen. Oben angekommen sehen wir, dass sich das Radeln gelohnt hat ... keine Parkplätze mehr ... tja ...

    Auf dem Weg zur Cove merken wir, wie viele Menschen sich für Neuseeland interessieren. Irgendwie ist das enorm, wie einig sich Menschen aus der ganzen Welt sein können ... wir hören Chinesen, Japaner, Russen, Amerikaner, Briten, sicher auch Neuseeländer, Franzosen, Deutsche und, und, und ... man spaziert 30 Minuten zu einem Loch im Fels, macht Fotos von der Liebsten und marschiert wieder zurück! Wenn diese Einigkeit nur öfter bestünde in dieser Welt!








    Und das ist unser gemeinsames Ziel.








    Und der gehört auch noch zum cathedrahlen Ensemble ....










    Wir radeln weiter zum Hotwater Beach und kommen pünktlich zwei Stunden vor Niedrigwasser (dem Tiefstand des Wassers bei Ebbe) an. Am Strand von Hot Water Beach gibt es für uns die ersten Vorzeichen des überaus aktiven Vulkanismus aud Neuseeland. An einigen Stellen am Strand tritt heißes Wasser an die Oberfläche, man kann sich ein Loch buddeln und schon hat man seinen eigenen Hot Pool ... bis die kommende Flut dem Ganzen wieder ein Ende setzt. Aber wo sind diese sagenumwobenen Heiß-Wasser-Quellen? Bestimmt da, wo der große Menschenauflauf ist!





    Wir sind doch schon zu spät. Es haben sich bereits internationale Wasser-Digger-Gemeinschaften gebildet und die lohnenswerten Claims sind abgesteckt. Viele Mit-Digger sind hervorragend ausgerüstet, Badesachen an und Schaufeln in den Händen ... wir sind klar im Nachteil und wenden  uns zum zweiten Mal an diesem Tag der Beobachtung der internationalen, touristischen Völkerverständigung zu ...


    Und dann entdecken wir doch noch einen unbesetztes Heiz-Wasser-Claim. Wenn man den Fuß 15 cm in den Sand steckt,  kriegt man Brandblasen. Kai fängt mit Bordmitteln sofort an zu buddeln. Es dauert ca 5 Sekunden bis mehrere schaufelbewaffnete Konkurrenten den neuen Claim entdecken, untereinander verhandeln und dann gemeinsam Besitz ergreifen von unserer Stelle. Wir geben uns geschlagen, der dampfende Sand hat uns beeindruckt und mehr wollten wir hier eigentlich gar nicht ... tolle Sache so ein Hot Water Beach!

    Samstag, 5. November 2016

    Coromandel: Goldrausch


    Die Coromandel-Halbinsel südöstlich von Aukland ist heute wegen ihrer unzähligen Buchten mit feinem Sandstrand und dem gebirgigen Coromandel-Forest-Park, der zu Wanderungen einlädt, vor allem das Ziel von Touristen ... Neuseeländern und Gästen aus der ganzen Welt. Das war nicht immer so.

    Wir beginnen unseren Besuch auf der Coromandel mit einem Rückblick in die Geschichte, wir besuchen in Thames die 'School of Mines'. In der zweiten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts wurde in Thames und an anderen Orten der Halbinsel Gold gefunden und der Goldrausch führte innerhalb kürzester Zeit dazu, dass die ansässigen Maori von goldhungrigen Schürfern aus aller Welt überschwemmt wurden. Die Bergleute wurden in der 'School of Mines' ausgebildet, welche heute als Museum immer noch existiert. Wir haben Glück, wir treffen John, den Leiter des Museums und bekommen eine Privatführung. John ist entzückt mit Kai endlich mal wieder einen Experten als Gast zu haben ... und dann auch noch einen Deutschen, wo es doch so gute Arbeitsbeziehungen zwischen Deutschland und "uns" - also der 'School of Mines' gegeben habe. John erzählt im Wir-Stil. Zwischendurch fange ich an zu rechnen, es kann unmöglich sein, dass er 140 Jahre alt ist und das alles persönlich erlebt hat ... aber es wirkt so. Vermutlich weil schon sein Vater das Museum geleitet hat und John stolz ist, alles in seiner Tradition fortgeführt und nichts geändert zu haben. Dementsprechend hat kein Hauch von moderner Museumskultur Einzug gehalten ... muss auch nicht, John zaubert die Vergangenheit so lebendig in unsere Gegenwart ... aus der angekündigten 15-Minuten-Führung werden fast eineinhalb Stunden.


    John zeigt uns eine Vielzahl von deutschen Modellen von Schächten und Förderanlagen ... also die Deutschen waren 18-hundert-und-x wirklich hervorragende Bergleute. Wegen der deutsch-neuseeländischen Freundschaft wurde John auch auf eine 3-wöchige Mineralogen-Studien-Reise nach Deutschland eingeladen ... vor 25 Jahren ... aber im Vergleich zum Alter der vielen anwesenden  Steine war das ja gestern. Kai und John tauschen sich über die geologischen Highlights in Deutschland, berühmte Professoren und Unis aus und Kai bringt John noch flugs die korrekte deutsche Aussprache bei. Dann zurück zum Thema ... Goldgewinnung:


    Katrin lernt, dass es viele Steine gibt, denen man gar nicht ansieht, dass Gold drin ist. Sie entscheidet sich aber doch aus den Vitrinen diejenigen zu fotografieren, bei denen kleine Goldstückchen  ordnungsgemäß glitzern. Außerdem lernt sie, dass man die goldigen Steine nicht einfach ins Feuer schmeißt und wartet bis das Gold unten brav rausläuft ... ein kompliziertes mechanisches und chemisches Verfahren ist notwendig, um zum Ziel zu gelangen, welches John mit Vergnügen anhand der historischen Instrumente und Öfen erklärt ... schließlich sind wir in der ' School of Mines' und haben den besten Lehrer von ganz Neuseeland! 







    Donnerstag, 3. November 2016

    Gravel Road Experience im Whatipu Reserve

    Eigentlich war auf unserem Weg nach Süden ein Tag in Aukland geplant. Als es dann so weit ist, sind wir uns schnell einig. Schon nach wenigen Tagen Neuseeland haben wir keine richtige Lust mehr auf Grossstadt-Trubel. Also fahren wir vorbei und betrachten Aukland nur per Tele-Objektiv.


    Statt dessen haben wir uns für eine Wanderung im Whatipu Reserve entschieden, das am Westzipfel des Eingangs zum Manukau Harbour liegt. Die Fahrt ist spannend ... unsere erste lange gravel road. In Neuseeland sind die Straßen oft nicht mehr asphaltiert, wenn nur noch kleine Orte oder abgelegene  Spots angebunden werden. Statt dessen gibt es Schotterstraßen - eben gravel roads, ungefähr einen Campervan oder eineinhalb PKWs breit. Wir haben lange gesucht, bis wir eine Campervan-Vermietung gefunden haben, die das Befahren dieser Straßen nicht per se ausschließt. Da Kai fündig geworden ist, geht es also nun rein ins Vergnügen. Wer 45 Sekunden mitfahren will ...


    [@MoKa: wenn ihr genau aufpasst im Video, dann könnt ihr erkennen, dass die Experimente mit der ActionCam auf Hochtouren laufen. Klappt gut ... nur Runterladen und dann auch noch ins Blog befördern ... naja, bis zu den Südsee-Fischen ist ja noch ein bisschen und über Wasser filmt unsere normale Kamera auch. 🤓]

    Wir werden belohnt mit einem wunderschönen Natur-Campingplatz und einer 4-stündigen Wanderung mit Bergkraxelei oberhalb der Manukau-Entrance und wilden Urwald-Pfaden. Wir haben die richtige Wahl getroffen ... und Aukland werden wir am Ende unserer Reise noch sehen!





    Tane Mahuta - Der Herr des Waldes

    Wir fahren an der Westküste weiter Richtung Süden und besuchen den spektakulären Waipoua Kauri Forest und 1,5 Fahrstunden weiter südlich das tolle Kauri-Museum. Die riesigen Kauri-Bäume sind faszinierend, die Prachtexemplare haben Namen von den Maori bekommen. Seht ihr Kai auf dem Bild ... winzig vor Tane Mahuta! Der Herr des Waldes - so die Übersetzung des Namens - ist der größte lebende Kauri-Baum und ist ca 2350 Jahre alt. 



    Der älteste Kauri im Wald ist Te Matua Ngahere, der Vater des Waldes. 


    Wegen der schieren Größe,  ihres geraden Wuchses und schönen Holzes waren die Bäume sehr begehrt, was den meisten von ihnen im vorletzten und letzten Jahrhundert das Leben gekostet hat. Eine regelrechte Industrie ist entstanden und viele Tricks sind entwickelt worden die riesigen Stämme aus dem Gebirge nach unten zu transportieren. Das alles ist toll dokumentiert im Kauri-Museum, inklusive eines echten, historischen Holzsägewerkes. Und nicht zu vergessen der begehrte Kauri-Bernstein, der in riesigen Mengen aus versunkenen einstigen Kauri-Wäldern ausgegraben wurde. Alles mit Schaufeln und Haken ... Knochenarbeit!







    Dienstag, 1. November 2016

    Kugeln im Hokianga Harbour

    Wir wenden uns nun langsam Richtung Süden und überqueren mit der Fähre den Hokianga Harbour.  Harbour darf man nicht unmittelbar wörtlich nehmen, es ist eine lange Bucht - quasi ein Fjord. Aber wir können uns sehr gut vorstellen, dass sich frühere Seefahrer nach Überquerung der Tasman See gefreut haben, in diesen sicheren Hafen einlaufen zu können.


    Die Haupt-Attraktion der Bucht ist für uns aber nicht die Aussicht, sondern Steine ... kugelrunde Steine, die Koutou Boulders. 



    Ihr wundert Euch, wie so kugelrunde Steine entstehen können? Die geologischen Erklärungen sind in Arbeit ... Geologen-Gang: Erklärungs-Vorschläge sind noch willkommen. Zum Abschluss dieses Post noch das Prachtexemplar:


    Am Ende der Welt: The Far North

    Cape Reinga heißt unser nächstes Ziel nach der Bay of Islands, die uns so begeistert hat. Endlich eine längere Fahrt, um sich an das Linksfahren und den Campervan zu gewöhnen. Und genügend Erlebnisse endlang der Strecke, wie Ihr sehen werdet.

    Der Leuchtturm auf dem Cape markiert die Nordspitze Neuseelands. Soweit erstmal alles normal. Das Besondere dieses Orts ist aber, dass hier die Seelen verstorbener Maoris in die Unterwelt absteigen, um in ihrer Urheimat Hawaiki wieder aufzuerstehen. Hinter Kai brechen sich die Wellen der Tasman See und des Pazifik, die hier aufeinander treffen. 



    Die Fahrt in den hohen Norden ist schön. Grüne Hügel, Rinder, Schafe und immer weniger Menschen bis man wirklich den Eindruck hat, am Ende der Welt zu sein. Zum Glück gibt es die Touristen mit ihren Campervans. Manche Besucher des Cape fahren über den Ninety Mile Beach anstatt über die Straße. Neuseeland ist ein Outdoor-Fun-Land! Wir entscheiden uns für die herkömmliche Variante und fühlen uns nach 100km hin und zurück Gekurve sicher mit dem Linksfahren und dem Camper.


    Wie gesagt ... Outdoor-Fun. Dies sind die gigantischen Dünen am Strand von Te Paki. Wir klettern hoch und genießen die Aussicht. Aber man kann auch Sand-Surfbretter mitbringen oder leihen und dann im Wahnsinnstempo die 140m runtersausen. Zu Hause wäre ein riesiger Zaun drum herum, alle 10 m ein Schild "Betreten verboten", nicht in Neuseeland.